Fürchte dich nicht


Es sind beunruhigende Zeiten: In der Hitze des Hochsommers erreichen mich Bilder von ausgetrockneten Flüssen und Talsperren, Fische sterben in der Oder, Krieg in der Ukraine und dann ist noch fraglich, ob und wie sich der Herbst im dritten Jahr mit Corona gestaltet.

Es gibt im Moment viel Grund, sich zu sorgen oder fürchten.

Mich begleitet seit Jahren ein kleiner Bronzeengel aus Maria Laach. Erkennungszeichen: blanke Stirn und blanke vorgestreckte Hände. Wie oft habe ich mir in diesen vielen Jahren vermutlich „die Stirn gestoßen“ oder habe mit den Händen Dinge angefasst, die ich hätte lieber liegen lassen, wenn ich den Vorsichtigen geglaubt hätte?

„Fürchte dich nicht“ – in plattdeutsch so wunderbar „wees nich bang“

Petrus wird mit diesem Wort in die Nachfolge Jesu gestellt (Lukas 5, 10), und Paulus wird ermutigt, als Verkündigender aufzutreten (Apostelgeschichte 18, 9). „Fürchte dich nicht“ heißt: Tritt heraus, steh ein für das, was du als richtig und wichtig erkannt hast. Lass dich nicht beirren vom Gegenwind.

Gemeinschaft zu erfahren, den Nächsten zu sehen und für ihn einstehen, ganz ohne Furcht, ist ein riesiges Geschenk, an jedem Tag der Woche. Das ist eine Tankstelle, eine Quelle, aus der wir Kraft schöpfen können.

„Wees nich bang.“ – Das ist konkreter Auftrag zur Nachfolge: Mut zur Lücke, Mut zum Fehler, die Mitmenschen im Blick. Dann kommen wir in aktuell schwerer Zeit gemeinsam durch diese Zeit. Nicht schwach und einzeln, sondern vielmehr gestärkt durch Gemeinschaft. Lassen Sie sich ein!

Ich wünsche Ihnen eine friedliche Woche – wenn es sein soll, auch mal gern mit Gegenwind.

Ihr Franz Sauerteig

Diakon
Kirchengemeinde Meiendorf-Oldenfelde
040 – 678 8383
sauerteig@meiendorf-oldenfelde.de