Ittoqqortoormiit


Es war vor wenigen Wochen im meterdick gefrorenen grönländischen Meereis, als ich das französische Expeditionsschiff verließ, um zu einer der einsamsten Siedlungen der Welt zu laufen. Sie heißt Ittoqqortoormiit und liegt am größten Fjordsystem der Welt, dem Scoresbysund. Anders also vor sieben Jahren, als ich das erste Mal in dieser Region war, ist Ende Mai das Meer in der Bucht noch komplett zugefroren.

Also stapfe ich in Polarkleidung bei strahlender Sonne und mit wachen Blicken angesichts der möglichen, aber wenig wahrscheinlichen Gefahr plötzlich auftauchender Eisbären zur Innuit-Siedlung. Aus meinem letzten Besuch weiß ich, dass die lutherische Kirche eigens für die ausländischen Besucher geöffnet wird.

Während der aufgetürmte Schnee bis zum Kirchendach reicht, trete ich ein, die Tür ist offen. Wohlige Wärme empfängt mich auch diesmal, das Gotteshaus ist extra für uns geheizt. Neben dem Altar treffe ich Ruth, sie ist ehrenamtliche Organistin und hält die Kirchenwacht. Sie stammt aus Deutschland und lebt seit 16 Jahren in Ittoqqortoormiit. Wir sind seit September vergangenen Jahres die ersten Besucher, umso freudiger werden wir empfangen.

Ohne Ehrenamtler in der Kirche läuft auch in der abgelegenen Siedlung mit ihren nur noch 340 Einwohnern nichts. Ich muss an die Glaubensgeschwister bei uns in Alt-Rahlstedt denken, die regelmäßig für ein offenes Gotteshaus in der alten Backsteinkirche sorgen. „Tritt ein – die Kirche ist offen“ – diesem Leitspruch folgen zahlreiche evangelische Kirchen der Nordkirche gerade in der Sommerzeit. Zu den sehenswerten, historischen Gebäuden, den Orten der Ruhe und Besinnung, kommen viele Besucher.  Und es sind ehrenamtliche Mitarbeiter, die Türen öffnen und ihre Zeit schenken. In Ittoqqortoormiit, Farmsen und Alt-Rahlstedt.

Danke dafür! Ihr Edgar Hasse

Kirchengemeinde Alt-Rahlstedt
Prädikant
Edgar.hasse@funkemedien.de