Kann man ohne Kirche glauben?


Manche behaupten das. Es ist heute das Argument, was vorgebracht wird von denen, die aus der Kirche austreten, sich aber für spirituell halten: „Ich kann doch auch ohne Kirche glauben.“ Mir leuchtet das nicht ein. Eher habe ich den Eindruck, wer so redet, will sich beim lieben Gott ein Hintertürchen offen halten. Doch was macht das mit der Kirche?

Beispiel: die Hochzeit von Bundesfinanzminister Lindner und seiner Frau in der St. Severin Kirche auf Sylt. Beide sind keine Kirchenmitglieder. Und doch haben sie evangelisch geheiratet. Das wurde in der Presse kritisiert. Was ist Ihre Meinung, liebe Leserin, lieber Leser? Sollte die evangelische Kirche konsequenter sein und solchen Brautpaaren die kirchliche Hochzeit verwehren? Aber welchen Eindruck macht das? Darf die Kirche Menschen, die Gottes Segen erbitten, den Segen verweigern? Zeigt sich Gottes Liebe nicht darin, dass sie keinen ausschließt, ja gerade denen nachgeht und immer wieder einlädt, die ihr den Rücken gekehrt haben? Begeht die Kirche, die sich dieser Liebe verpflichtet fühlt, nicht Verrat am Evangelium, wenn sie Menschen abweist?

Es ist kaum zu verhindern, dass die Kirche in dieser Lage: einerseits für die Menschen da zu sein, andererseits Gott in der Welt zu bezeugen, auch Nutznießern in die Hände spielt. Pubertäres Verhalten nenne ich das, wenn Menschen meinen, es sei Ok, Kirche für den Moment der Feierlichkeit in Anspruch nehmen zu können, aber sonst von ihr nichts wissen wollen. Gleichwohl ist die Kirche von der Hoffnung getragen, dass Gott selbst bei solchen Leuten seine Macht walten lässt, um sie für sich zu gewinnen.

Gottes Liebe ist ein Geschenk, das ausgepackt werden will. Das geht nicht an einem Tag, und sei die Hochzeitsfeier noch so schön. Glaube ist eine auf Dauer angelegte Beziehung, die das Bekenntnis und den Ort braucht, wo er im lebendigen Austausch sein kann. Das ist die Gemeinde, das ist Kirche. Kann man ohne sie glauben? Ich kann es nicht.

Ihr Matthias Marks

Kirchengemeinde Alt-Rahlstedt
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