9/11 und die Sehnsucht nach Frieden


Das kennen Sie sicher: ich weiß genau, wo ich war und was ich machte, als die Flugzeuge vor genau 20 Jahren in die Zwillingstürme flogen. Fast allen Menschen geht es so! Für einen Augenblick blieb die Welt stehen. Bilder von Menschen, die verzweifelt versuchten, dem Chaos zu entkommen. Ihr Blick und ihre Körpersprache sind ein einziger Hilfeschrei. Bruchteile von Gesprächen, Schutt und Asche, ein Feuerwehrhelm. Es sind eher einzelne Puzzleteile als vollständige Bilder, die meine Erinnerung prägen. Aber über allem die große Frage: Warum? Diese Frage, die keine Antwort kennt, sondern die Frage der Klage ist. Dann drehte die Welt sich weiter, war aber eine ganz andere geworden. Die Feindbilder und die Solidargemeinschaft wurden neu definiert. Gefühle wie Rache wurden legitim. Wieder einmal wurde der Versuch unternommen, diese Welt mit Stärke und Kampfkraft zu befrieden. Heute, 20 Jahre nach diesen Bildern, die unversöhnt in uns sind, erreichen uns wieder Berichte von verzweifelten Menschen, Menschen auf der Flucht vor einem grausamen Regime. Wieder schauen uns Menschen an, suchen Hilfe bei uns. Die Bilder sind nicht vergleichbar. Und doch gehören sie zusammen: unschuldige Menschen werden Opfer eines scheinbar endlosen politischen Versagens. Eine Gottesdienstbesucherin steht mit Tränen in den Augen vor mir und bittet: „Beten Sie für diese Menschen!“ Sie stellt die Frage, wie wir mit diesen Bildern umgehen können. Ich bin kein Politiker und möchte es meistens auch nicht sein. Aber ich will als Christ genau hinschauen, die Augen nicht verschließen. Benennen, was dem Willen Gottes widerspricht. Ich will aus der Kraft der jüdisch-christlichen Vision leben, reden und vor allem auch handeln: Im Friedensreich des Messias wird es so sein, dass Feinde zu Freunden werde: der Wolf beim Lamm wohnen und der Panther beim Böcklein lagern. Kalb und Löwe werden miteinander grasen, und ein kleiner Knabe wird sie leiten. (aus Jesaja 11) und: Selig sind, die Frieden stiften; denn sie werden Gottes Kinder heißen. (aus Matthäus 5)

Mit segensreichen Grüßen Ihr Jürgen Wippermann