Die Haltung des Möglichen


„Sind Sie eher Optimist oder Pessimist?“ Bei einem Zusammensein stellte jemand diese Frage und bekam prompt die Antwort: „Ich bin Pessimist.“ Wir kennen das, Aussichtslosigkeit und Untergangsstimmung bestimmen häufig die Nachrichten. Die Pessimisten, die ja allgemein eher vorherrschend sind, erwarten vor allem das Schlechte. Das Düstere vermögen sie besonders gut auszumalen. Aber Pessimisten sind gefährlich für die Seele und vor allem für die Zukunft, weil sie verliebt sind in den negativen Ausgang.

Dabei gibt es eine Alternative zu den Pessimisten. Von dem schwedischen Wissenschaftler Hans Rosling habe ich das Wort Possibilismus gelernt. Laut Duden kommt es aus dem Französischen (possibilité – Möglichkeit). Hans Rosling hat auf die Frage, ob er eher zu Optimismus oder Pessimismus neige, gesagt: „Ich bin ein ernsthafter Possibilist.“

Was ist damit gemeint? Ein Possibilist rechnet mit dem Möglichen. Ja, er gibt der Hoffnung und der Zuversicht eine Chance und ist fähig, den Anfängen zu trauen. Dabei dürfen wir Realisten bleiben, sollen sehen, wieviel Chaos in unserer Welt ist, feststellen, dass die Welt sehr viel mehr Baustelle als Bauwerk ist. Aber wir können den Blick auch darauf richten, was ermutigend ist und Zukunft haben könnte. So wünsche ich mir zum Beispiel für die Zukunft, dass Nachbarn wie im letzten Jahr sich gegenseitig helfen, füreinander einkaufen und aufeinander achten. Und die Jüngeren haben sich viel einfallen lassen, damit ihre Großeltern weiterhin Kontakt zu ihnen haben konnten. Überhaupt, die jungen Leute; ich finde es bewundernswert, wie taff sie diese Zeit gemeistert haben.

Ich möchte eine Haltung lernen, die die Perspektiven und die Möglichkeiten ernst nimmt. Und ich bitte Gott, dass er mich befähigt, Hoffnung zu wecken und davon zu erzählen, dass wir getragen werden von einem, der mit uns in das Werden hineingehen will.

Pastorin Dr. Christa Usarski