Kirchenaustritte


Während unserer Urlaubszeit hörten wir (erneut) von der großen Anzahl Menschen, die aus den beiden großen Kirchen 2019 ausgetreten sind.

Obwohl dieser Trend schon seit mehreren Jahren andauert und sich – so die Prognose – die Zahl der Kirchenmitglieder 2060 halbieren wird, schockierten uns diese Zahlen trotzdem.

Wir leben heute in einem Staat und einer Gesellschaft, die weitestgehend christlich geprägt sind.

Der Grundgedanke der Menschenwürde, des Umgangs mit Schwächeren, als auch der Umgang mit Andersdenkenden („Feindesliebe“)  hat unser Land tief beeinflusst.

Das Christentum ist heute ein integraler Bestandteil unseres gesellschaftlichen Lebens und unserer Verfassungsordnung. Auch die weit überwiegenden Mehrheitseinstellungen zu den Themen Flüchtlinge, Umgang mit Minderheiten und Rassismus sind auf christliche Einstellungen zurückzuführen.

Wie wird sich eine Gesellschaft entwickeln, wenn immer mehr Menschen den Kirchen den Rücken zudrehen. Sinkt dann nicht die „soziale Temperatur“ (Winfried Kretzschmann) und wer stellt dann den „sozialen Kitt“ wieder her, ohne den unser Staat nicht existieren kann. Die Evangelische Kirche diskutiert zurzeit über ihre 11 Leitsätze, die Katholische Kirche über einen neuen Synodalen Weg. Wir beide mögen uns eine Gesellschaft ohne starke Kirchen nicht vorstellen. Was wären die Konsequenzen für unser gesellschaftliches Klima. Mitmenschlichkeit lässt sich nicht von staatlicher Seite verordnen. Unsere Zivilgesellschaft ist auf Akteure wie die Kirchen angewiesen. Unsere Demokratie wird erst durch sie lebendig. Wir hoffen, dass die derzeitigen Diskussionsprozesse dazu führen, dass die Kirchen sich neu aufstellen und auch für junge Menschen Anreize zum Bleiben und Engagement schaffen können. Es ist notwendig, meinen Regina und Ekkehard Wysocki.

Regina Wysocki, Kirchengemeinde Alt-Rahlstedt, regina.wysocki@kirche-alt-rahlstedt.de
Ekkehard Wysocki, Markuskirchengemeinde, kontakt@ekkehard-wysocki.de