10 Jahre Biografiewerkstatt in Farmsen-Berne: Wir gratulieren

Zu dem Projekt „Innovative Seniorenarbeit“ haben wir uns als Gemeinde 2003 in einer schwierigen Situation entschieden. Die zugewiesenen Haushaltsmittel waren erheblich gekürzt worden, ebenso die Pastorenstellen. Unsere hauptamtlichen Mitarbeiter im Bereich Seniorenarbeit befanden sich kurz vor der Pensionierung und allen war klar, dass eine Neubesetzung aus finanziellen Gründen nicht möglich sein würde. Trotzdem entschlossen wir uns, neue Horizonte zu erschließen und beantragten eine „Projektpfarrstelle für innovative Seniorenarbeit“ beim damaligen Kirchenkreis Stormarn. Bei der konkreten Planung haben wir uns leiten lassen von dem Begriff „Kultur der Würdigung“, denn unser Anliegen bestand darin, die sogenannte Generation 55+ zu gewinnen für ein Zukunftsbündnis mit den Älteren der hohen Lebensstufen.

Mit Pastorin Friederike Waack wurde 2004 die Projektstelle besetzt und sie konkretisierte alsbald die Idee eines biografiebezogenen Projekts. Pastorin Waack verstand es, Menschen für diese Aufgabe zu begeistern, sodass schon im April 2006 das erste Buch „Lebensringe sichtbar machen“ erschien.

Die Bücher sind eine wahre Fundgrube, um etwas über das Alltagsleben der Kriegsgeneration zu erfahren. Sogar eine Hundertjährige erzählt ihre Geschichte. Sie kann sich noch an Kaiser Wilhelm II. erinnern und hat seinen Besuch in Hamburg miterlebt.

 „Wir hatten uns mit vielen anderen Leuten am Dammtor eingefunden, standen Spalier und reckten unsere Hälse, um ihn sehen zu können, als er an uns vorbeifuhr.“ erzählt sie.

Viele berichten davon, wie ihr Leben durch den zweiten Weltkrieg erschüttert wurde. Da werden Zettel an die Steine der ausgebrannten Häuser geheftet mit der Angabe, wo man Zuflucht gesucht hat. Kinder, deren Väter aus der Kriegsgefangenschaft kommen, fragen, wer denn dieser fremde Mann sei, der da plötzlich in ihrem Wohnzimmer sitzt.

Mit diesen beeindruckenden Einblicken in die Biografien von Zeitzeugen des letzten Jahrhunderts wird Geschichte lebendig. Die Biografiewerkstatt Farmsen-Berne erlangte in kurzer Zeit große Ausstrahlung, sodass sogar im NDR ein Beitrag über die Arbeit gesendet wurde. Viele Anfragen führten dazu, zusätzlich ein Handbuch zu erarbeiten für Initiativen, die ebenfalls ähnliche Projekte ins Leben rufen wollen. Dieses Handbuch hat inzwischen etlichen Gruppen geholfen, mit der Biografiearbeit zu beginnen. Wie nach dem Auslaufen der Projektpfarrstelle 2010 die Arbeit weitergehen könnte, haben wir mit den Ehrenamtlichen der Biografiewerkstatt intensiv beraten. Wir freuten uns als Kirchengemeinderat darüber, dass die ehrenamtlichen Mitarbeiter mit hohem Engagement und großer Kompetenz die Arbeit weiterführen wollten. Zudem konnten die Pröpste im Ruhestand Jutta Gross-Ricker und Helmer-Christoph Lehmann als ehrenamtliche Begleiter und Berater gewonnen werden. Ihnen sei Dank gesagt, dass sie den Übergang in die rein ehrenamtlich getragene Arbeit mit gestaltet haben. Beide sind Anfang 2014 ausgeschieden, sodass nun wieder ein neuer Abschnitt bevorsteht.

Wir gratulieren zum 10jährigen Jubiläum, sind sehr dankbar für diesen kreativen Zweig unserer Gemeindearbeit und neugierig auf die weiteren Publikationen der Biografiewerkstatt. Wir bedanken uns bei allen ehrenamtlich Tätigen von Herzen dafür, dass sie das Projekt Biografiearbeit weiterhin befördern.

Pastorin Usarski (für den Kirchengemeinderat)