Kirchenmusik in Coronazeiten

17. Januar 2021

Als zu Beginn des letzten Jahres die ersten Berichte über Corona erschienen, habe ich diese – wie wohl die meisten Zeitgenossen – zunächst nicht übermäßig ernst genommen. Dass daraus eine handfeste Bedrohung und daraus resultierend einschneidende Beeinträchtigungen werden würden, war da noch unvorstellbar. Ich hatte bis zuletzt gehofft, Anfang April die Aufführung von Bachs Johannespassion noch „irgendwie“ durchzuziehen. Als dann aber im März das offizielle Aufführungs- und Versammlungsverbot kam und es für mich nichts mehr zu entscheiden gab, hieß es: Reißleine ziehen. Seitdem hat es in unserer Gemeinde – genau, wie anderswo auch – keine einzige reguläre Probe oder gar große Aufführung mehr gegeben – weder mit Kantorei, Orchester oder Kinderchören. Und das war und ist natürlich nicht nur für mich bitter, wie ich aus sehr vielen Gesprächen und Rückmeldungen aller Beteiligten weiß!

Das Unabänderliche mit Gelassenheit und Gottvertrauen ertragen können – darum geht es. Vor allem dann, wenn man bedenkt, wieviele Menschen noch sehr viel härter von der Krise betroffen sind, wieviele freiberufliche Musiker beispielsweise sich in kürzester Zeit mit nackter Existenznot konfrontiert gesehen haben (ich bin sehr dankbar, dass es die Kirchengemeinde und unser Förderverein möglich gemacht haben, den Künstlern für die ausgefallene Aufführung der Johannespassion dennoch zunächst das vorgesehene Honorar auszuzahlen!).

Proben ohne physische Anwesenheit (also per Video) oder einer echten Aufführungsperspektive sind nicht nur für mich aus gutem Grund nie in Frage gekommen. Bestätigt sah ich mich durch mehrere Kollegen, die sich genau darin versucht hatten – sie berichteten mir von schon bald deutlichen Ermüdungs- und Motivationsmangelerscheinungen bei allen Beteiligten.

Während der Phase vorübergehender Vorschriftslockerungen war es immerhin möglich, mit einem Gesangsquartett aus der Kantorei oder maximal 4 Streichern aus dem Orchester kleine Musikbeiträge für die Gottesdienste beizusteuern. Aber auch da haben alle, trotz der schönen Möglichkeit, wenigstens etwas Musik zu machen, deutlich gemerkt, wie schwierig es ist, mit gehörigem Abstand dennoch gemeinsam zu musizieren. Seitdem wieder verschärfte Hygienebestimmungen verordnet wurden, sind auch diese Aktivitäten unmöglich geworden. Am Totensonntag hat in Farmsen noch ein Vokalquartett singen können, und am 2. Advent waren 4 Kinderchorkinder noch einmal mit einem (für mich sehr berührenden) Auftritt im Gottesdienst zu erleben.

Zum Glück und von all dem unberührt bleibt mir unverändert die Möglichkeit zum Orgelspiel! Jeden dritten Freitag im Monat um 17 Uhr findet im Regelfall eine Orgelandacht in Farmsen statt, wo ich dann auch mal konzertante Literatur spielen kann, die eher weniger gottesdiensttauglich ist. Und natürlich hoffe ich, wie alle, auf das vielbeschworene „Licht am Ende des Tunnels“, und einen Neubeginn im Sommer – alle Highlights, die letztes Jahr ausgefallen sind, sollen jedenfalls unbedingt nachgeholt werden!

Michael Gellermann