Gastbeitrag: Öko und fair – natürlich auch beim Papier

14. Februar 2021

 - Copyright: Bild von Free-Photos auf Pixabay

Die ökologischen Auswirkungen unseres Papierverbrauchs in Form von Abholzung, Lebensraumverlust für viele Tierarten oder Gewässerbelastung durch Bleichchemikalien sind vielfach bekannt. Doch welche Negativfolgen die Produktion von Zellstoff für Primärfaserpapier für viele Menschen insbesondere in Ländern des globalen Südens mit sich bringt, wissen die wenigsten. Schnellwachsende Bäume wie Eukalyptus dienen dem Papierhunger der Industrienationen, Deutschland bezieht seinen Zellstoff vor allem aus Brasilien, weitere Mengen aus Chile und Uruguay, wo industrielle Baummonokulturen das Holz dafür liefern. Mit Wäldern haben diese Plantagen nichts zu tun, sie werden von den Einheimischen „grüne Wüsten“ genannt, weil sie Pflanzen oder Tieren keine Lebensgrundlage bieten und Eukalyptus durch seinen hohen Wasserbedarf zu Trockenheit und Wassermangel beiträgt. Wo die Monokulturen sich ausdehnen, werden vielfach Kleinbauernfamilien vertrieben, die oft keine offiziellen Urkunden für das Land besitzen, welches sie vielfach seit Generationen bewirtschaften. Die meisten landen dann verarmt in den Slums der Städte. Böden und Gewässer, von denen die Existenz gerade ärmerer Bevölkerungsschichten im globalen Süden abhängt, werden durch Pestizide und Düngemittel belastet, Fischbestände sinken, Obstbäume und Nahrungspflanzen sterben ab, die Gesundheit der lokalen Bevölkerung ist gefährdet. Und es werden weiterhin wertvolle Wälder z. B. in Skandinavien oder Russland eingeschlagen, um Zellstoff zu gewinnen. Diesen Missständen können wir durch Papiersparen und konsequente Wahl von Recyclingpapier mit Blauem Engel wirkungsvoll entgegentreten. Denn über 80 Prozent des Holzes für unser Papier stammen aus Importen.

Außerdem benötigt die Herstellung von Recyclingpapier bis zu 60 % weniger Energie, bis zu 70 % weniger Wasser, reduziert die Emissionen und das Abfallaufkommen. Dank Mehrfachnutzung der wertvollen Holzfasern sinkt der Druck auf die Wälder. Expert*innen der großen Umweltverbände empfehlen, mehr Wald sich selbst zu überlassen und durch Biotopholz- und Biomasseanreicherung für Schatten, Feuchtigkeit, Windschutz und Artenreichtum zu sorgen. Es gilt die Wälder als Ökosysteme zu begreifen und so zu fördern, dass sie der Klimakrise trotzen können. Hoher Nutzungsdruck und großflächige Einschläge tragen hingegen weiter zu ihrer Schwächung bei. Auch Plantagen sollten in struktur- und artenreiche, standortheimische Mischwälder umgewandelt werden, die ökologisch verträglich genutzt werden können, insbesondere für langlebige Holzprodukte wie Bau- oder Möbelholz. Ein bewusster Umgang mit Papier spielt deshalb eine wichtige Rolle und ist eine entscheidende Stellschraube, wie wir alle im Alltag die Zukunftsaufgaben Wald-, Klima- und Artenschutz tatsächlich anpacken können.

Weitere Tipps, wie Papiersparen gelingt und Infos, z. B. weshalb der Blaue Engel so stark ist, finden sich in der Broschüre „Papier. Wald und Klima schützen“, mineralölfrei gedruckt auf fünf verschiedenen Papieren mit Blauem Engel und kostenfrei zu bestellen beim Umweltbundesamt (www.umweltbundesamt.de/publikationen/papier).

Evelyn Schönheit
Forum Ökologie & Papier / Papier & Ökologie e. V.