Osterbräuche - Die Osterkerze

7. April 2020

Durch unsere „Corona-Auszeit“ in diesem Jahr müssen wir leider auch auf unseren festlichen Ostergottesdienst verzichten, mit seinen liebgewordenen Traditionen wie dem Osterruf in vielen verschiedenen Sprachen, mit dem wunderschönen Osterchoral „Christ ist erstanden von der Marter alle“ und natürlich mit dem eindrucksvollen Einzug  der Osterkerze, die uns alljährlich von unserer katholischen Heilig-Geist-Schwestergemeinde überbracht wird. Unser Kantor trägt sie dann herein und stimmt dabei das dreifache „lumen Christi“ an, „Christus, Licht der Welt“, das von der Gemeinde mit „Dank sei Gott“ beantwortet wird. (All das wird uns in diesem Jahr fehlen, aber Dank der Videoclips unseres Pfarrteams  können wir auf unserer Homepage von Gründonnerstag bis Ostermontag am Ostergeschehen teilhaben.)

Nach Ostern verbleibt die Osterkerze auf ihrem Leuchter im Altarraum und erinnert als Taufkerze die Gläubigen an ihr Taufversprechen und ihre Aufgabe, als „Kinder des Lichts“ das Licht Gottes weiterzugeben. Bei besonderen Gottesdiensten wie Taufen und Konfirmationen werden dann die Kerzen der Feiernden an der Taufkerze entzündet.

Die Osterkerze wird traditionell aus Bienenwachs gezogen und ist geschmückt mit farbigen Wachsapplikationen:   der Jahreszahl,   dem  Kreuz,   den  Nagelköpfen als Zeichen für die Wundmale Christi    und den griechischen Buchstaben Α und Ω, die Christus als Anfang und Ende unseres Lebens benennen.

Sie gilt auch als Zeichen für den auferstandenen Christus, dem die Gläubigen in der Osternacht nachfolgen, wie die Hebräer der nächtlichen Feuersäule beim Auszug aus Ägypten gefolgt sind. 

In dem reinen „Leib“ der Kerze aus teurem, gebleichtem Bienenwachs sah man ein Sinnbild für die menschliche Natur Christi oder für seinen verklärten Leib nach der Auferstehung, während man die Flamme als Zeichen seiner göttlichen Natur auffasste.

Der Brauch, eine besondere Kerze am Osterfest  zu entzünden, ist bereits im 4. Jahrhundert nachgewiesen und knüpft an die heidnische Tradition des Brandopfers an, bei dem der aufsteigende Rauch der verbrannten Opfertiere  eine Verbindung zwischen Mensch und Gottheit herstellte. Begleitet wurde das Opfer von einem Hymnus, in dem die Gottheit gerühmt wurde. Diese Opfertradition hat  unsere Kirche im Messopfer (Abendmahl), im Gebet (geistigen Opfer) oder in der Kollekte weiterentwickelt. Der heidnische Ursprung des Brandopfers hat sich bis heute erhalten im olympischen Feuer.

mit Unterstützung von Wikipedia

Jürgen Wulf