7. März 2020

Osterbräuche - Ostern in Temeswar (Rumänien)

87 Prozent der rumänischen Bevölkerung gehören der rumänisch-orthodoxen Kirche an. Die rumänisch-orthodoxe Kirche ist eine selbständige Kirche und versteht sich als Brücke zwischen Ost und West. Sie ist in ihren Riten verbunden mit den anderen orthodoxen Kirchen und gleichzeitig ist Rumänien westlich-lateinisch geprägt. Seit 1961 ist die rumänisch-orthodoxe Kirche Mitglied im Weltkirchenrat und pflegt gute Beziehungen zu anderen Kirchen.

Was ist anders am orthodoxen Ostern?

Die Orthodoxen feiern Ostern an einem anderen Wochenende als wir. Das liegt daran, dass sie sich bei ihren Festen am älteren julianischen Kalender orientieren, nicht wie wir am gregorianischen, der erst durch eine Kalenderreform im 16. Jahrhundert entstand.  Da das Jahr hier einige Tage später beginnt, verschieben sich auch die Feste.

Ostern wird in der orthodoxen Kirche viel größer gefeiert als Weihnachten. Meist verbringen die Leute Ostern bei ihren Familien. Orte, in denen ansonsten nur noch wenige Menschen wohnen, können dann richtig voll werden. Sieben Wochen vor Ostern beginnt die Fastenzeit. Wer mitfastet, verzichtet auf Fisch, Fleisch und Milchprodukte. In der Karwoche (der Woche vor Ostern) wird noch strenger gefastet. Manche verzichten ab Gründonnerstag zum Beispiel auf Öl. Viele fasten auch nur in der Karwoche – und einige machen überhaupt nicht mit.

Wie läuft die Karwoche ab?

In der Karwoche gibt es täglich Gottesdienste. Sie sind in der orthodoxen Kirche übrigens sehr lang. Vor allem am Gründonnerstag: Da dauert die Messe etwa vier Stunden. Es stört aber niemanden, wenn man später kommt. Vor Ostern gibt es in der Kirche verschiedene Rituale. Gründonnerstag wird die Kreuzigung Jesu nachgestellt. Das Licht wird gelöscht und ein Kreuz durch die Kirche getragen. Karfreitag wird bei einer Prozession der sogenannte „Epitaphios“ durch die Straßen getragen. Er soll das Grab Jesu darstellen.

Karsamstag wird es dann in einigen Gemeinden laut: Alle klopfen auf Kirchenbänke, um an das Erdbeben vor der Auferstehung Jesu zu erinnern. In der Nacht geht es noch einmal in die Kirche. Um Mitternacht werden Osterkerzen angezündet und der Priester verkündet: „Christos anesti“ – Christus ist auferstanden. Manchmal gibt es ein Feuerwerk.

Auch wenn der Gottesdienst damit nicht zu Ende ist, gehen dann viele Familien zum Osteressen nach Hause. Was vor allem für Kinder nicht fehlen darf: das Aneinanderschlagen gefärbter Eier. Es ist ein Wettbewerb: Derjenige, dessen Ei heil bleibt, gewinnt.

Elke Reinhardt