23. Juni 2019 (aktualisiert am 27. August 2019)

Was das Leben schöner macht

 

 

… wenn der Weinstock vor der Werkstatt die Fülle der Trauben kaum tragen kann, und der blaue Himmel uns südländische Erinnerungen weckt.

Jürgen Wulf


... wenn man mit guten Freunden in landschaftlich und kulturell interessanten Gegenden Zeit verbringen kann.

Ingrid Frank


... wenn das Licht der Abendsonne die Berge in ein weiches Licht taucht.

Mark Oliver Scholz


... wenn das Sonnenlicht durch die bunten Fenster unserer Erlöserkirche fällt und ein rotes Herz mitten im Gottesdienst auf den Boden zaubert.

Pastorin Corinna Claussen


Eine individuell gestaltete Geburtstagseinladung, die ein Vorschulkind aus der Nachbarschaft in meinen Briefkasten gesteckt hat.

Pastorin Christa Usarski


„Der Frühling ist da!“, ruft Papilio und breitet die Arme aus und wartet auf den Wind. So beginnt das wunderschöne Bilderbuch „Papilios Welt“ von Elisabeth Steinkellner und Michael Roher. Eine Geschichte, die auf wundersame Weise von „Freiheit“ erzählt – einer Freiheit, die das Leben und die Welt verändern will.

Im Mittelpunkt steht der Junge Papilio, dessen Name an das französische Wort für Schmetterling erinnert. Der Weg des Schmetterlings von der Raupe über die Puppe in ihrem Kokon bis hin zu einem bunten Schmetterling, der die Flügel ausbreitet und in die Freiheit fliegt – immer wieder ein lebendiges Bild für (Ver-) Wandlung.

Mir geht diese Geschichte durch den Kopf, als ich an einem frühen Morgen im Juni mit dem Rad durch unseren schönen Berner Wald fahre. Schmetterlinge sind an diesem Morgen nicht unterwegs, aber: ein vielfältiges Zwitschern erfüllt die Luft, Sonnenlicht bricht sich in dem dunkelgrünen Laub der Bäume, Strahlen und Schatten lassen alles in einem besonderen Licht erscheinen

Ich nehme mir die „Freiheit“ anzuhalten, einen Moment innezuhalten und den Augenblick festzuhalten. Schönste, (fast unberührte) Natur mitten unter uns. Dieses Wunder wahrzunehmen heißt auch um seine Bedrohung – im Kleinen wie im Großen – zu wissen. Nur was mir wert und teuer erscheint, wird mich dazu bewegen „mich zu kümmern und einzusetzen“. „Fridays for Future“, „die Debatte um den Klimaschutz“, „das Bewusstsein, was die Plastikberge anrichten“ – all das bestimmt zurzeit unsere Nachrichten, unser Denken und Handeln. Das ist gut so und erst der Beginn von (Ver-) Wandlung.

Papilios Traum von Freiheit geht noch viel weiter: „Ich will euch von meiner Welt erzählen. Und wenn ihr die Augen schließt, könnt ihr sie auch sehen. In meiner Welt leben alle, wo sie sich zu Hause fühlen, haben alle Zeit, ihre Lieblingsbeschäftigung zu genießen, (…), gehen alle, wohin ihr Herz sie führt.“  Die meisten Menschen, denen Papilio begegnet, finden seine Ideen verrückt – „und es fehlt ein Sicherheitsnetz“ wird ihm entgegengehalten. „So eine Welt wird es leider nie geben.“

Aber ein sommersprossiges Mädchen bleibt bei Papilio. „Komm“, sagt es. Wir versuchen es!“ „Und sie breiten die Arme aus und warten auf den Wind.“ Sie nehmen sich die Freiheit von einer wunderschönen Welt zu träumen, in der jede und jeder glücklich auf seine Weise leben kann – ohne die Freiheit des anderen einzuschränken, ohne Zerstörung, Hass und Gewalt In Papilios Welt sind alle zu Hause.

Breiten wir mit Papilio die Arme aus und warten voller Mut und Hoffnung – und vielleicht auch mal verrückt – auf den Wind!

Pastorin Corinna Claussen