17. November 2019
 - Copyright: Mark Oliver Scholz

Wo sind eigentlich die Toten?

Die Grabstelle meiner Eltern soll aufgelöst werden. 25 Jahre, nachdem mein Vater gestorben ist, tritt der Familienrat zusammen und fast alle sind dafür, dass wir die Laufzeit nicht verlängern werden. Ich bin selten zum Grab meiner Eltern gefahren. Ja, als sie noch lebten, da war ich häufiger mit ihnen da. Im Frühjahr pflanzten wir zusammen Stiefmütterchen, zu Beginn des Sommers dann Begonien, denn auf dieser Familiengrabstätte lagen schon die Großeltern. Ich war gerne mit den Eltern auf dem Friedhof und wenn wir alles schön gemacht hatten, besuchten wir noch etliche Grabstätten von Verwandten. Und nun wird es diesen Ort bald nicht mehr geben. Die Vernunft sagt, dass dort ja nur die sterblichen Überreste liegen, aber es ist doch viel mehr.

Der Mensch ist eben nicht nur das vernunftbegabte Wesen, sondern der Mensch ist derjenige, der mit seinen Verstorbenen verbunden bleibt.

Und wo sind überhaupt unsere Toten? Mich hat beeindruckt, wie selbstverständlich der Trainer Jürgen Klopp darüber gesprochen hat, dass die Toten einen Ort bei Gott haben und es irgendwann ein Wiedersehen gibt. Ein todkranker Fan des FC Liverpool wollte unbedingt das Finale der Champions League am 1. Juni 2019 in Madrid sehen. Er hatte jedoch Krebs im Endstadion. Und Jürgen Klopp nahm sich kurz vor der Abreise zum siegreichen Champions-League-Finale Zeit für eine Videobotschaft. Diese endet mit den Worten: "Ich bin Christ. Wir sehen uns!"

Am kommenden Sonntag begehen wir den Totensonntag. In unseren Gottesdiensten verlesen wir die Namen derjenigen, die in diesem Jahr kirchlich bestattet wurden und wir entzünden für jeden Verstorbenen eine Kerze, weil wir glauben, dass sie im Licht Gottes aufgehoben sind.

Pastorin Dr. Christa Usarski