Erlöserkirche
Altar
Innenraum
Turm

Erlöserkirche Farmsen

Bramfelder Weg

Eigentlich sollte die 1960 erstellte Kirche „Bethlehem-Kirche“ heißen, da die erste namenlose Kapelle aus einem umgebauten Stallgebäude des Staatsgutes entstanden war und Jesus im Stall zu Bethlehem geboren sein soll. Doch als ein Monat vor der Kirchweihe das bei dem Künstler Robert Müller-Warnke, der in der Schülertradition von Ernst Barlach stand, in Auftrag gegebene Altarrelief „Christus mit ausgebreiteten Armen“ in der Kirche aufgestellt worden war, war es so beherrschend für den Kirchenraum, dass die Kirchenväter und –mütter darin den gekreuzigten, auferstandenen und segnenden Christus erkannten, mit einem Wort: den Erlöser. So wählte man den Namen: Erlöserkirche.

Das Tonnengewölbe des Kirchenschiffes mit dem dazu in Kontrast stehenden dreifach gestuften Turm aus Betonscheiben hebt sich nach dem Willen des Architekten Kurt Schwarze bewusst von Wohngebäuden und dem alten Baumbestand der Umgebung ab. Mit einer Schalenkostruktion aus Stahlbeton markiert die Erlöserkirche den Beginn des modernen Kirchbaus in Hamburg. Dem Beton wurden andere Materialien wie Backstein, Aluminium, Glas gleichsam spielerisch gegenübergestellt.

Auch im Inneren der Kirche standen Rohbeton, weißgeschlemmter Backstein, Holz und die anthrazitfarbenen Steinbodenplatten ursprünglich kontrastreich gegeneinander. Erst bei der Renovierung 1995 hat der Architekt Hirche dem Kirchenraum eine klarere Struktur gegeben. Die Sitzbänke wurden farblich dem Boden angepasst, und das sich darüber wölbende Kirchenschiff einschließlich der holzverschalten Rückwand und der Empore erhielten weiße bis grau abgestufte Farbtönungen. Nach Ansicht dieses Architekten wir so deutlich: Hier begegnen sich Gott und Mensch, Himmel und Erde. Außerdem wurde die streng frontale Ausrichtung der Bänke im vorderen Bereich durch die Erstellung eines zweiten kleinen Altars durchbrochen, um das starre Gegenüber von Geistlichen und Gemeinde aufzubrechen.

Der stützenfreie Kirchenraum wird von sägeschnittartigen Betonsäulen getragen, wodurch eine indirekte Lichtzufuhr (auch bei künstlicher Beleuchtung) entsteht, die zum erweiterten Altarraum hin lichtvoll endet. Sämtliche Fenster und der Lichtbogen über dem Altar bestehen aus bleigefasstem Kathedralglas. An den Seiten sind sie als blaue und rote Farbbänder gestaltet, die sich wellenförmig nach oben bewegen. Bei Sonnenschein entstehen so überall im Inneren farbige Lichtreflexe, und bei Dunkelheit strahlen die Fenster geheimnisvoll nach außen. „Das Licht wird gleichsam selbst mit zur Architektur“ (Architekt K. Schwarze).

Die Kirche ist ein fast futuristisches anmutendes Gebäude. Die Konstruktion mit dem gestaffelten Turm aus Stahlbeton und dem Kirchenschiff aus schalenförmig gewölbtem Stahlbeton mit Aluminium-Außenhaut ist ziemlich einmalig auf der Welt. Ähnliche Kirchbauten gibt es  rund um den Globus nur noch zwei- oder dreimal.

Seit 1999 steht die Erlöserkirche unter Denkmalschutz.

Herzlich willkommen in unserer Kirche!