Danke zu sagen, unterbricht den Alltag

21, 22, 23, 24 - die junge Frau hob den Kopf, lächelte: „Dankeschön!“ Er antwortete: „Sehr gern!“ Der junge Mann hatte einen Moment gewartet, als er sie mit dem Kinderwagen kommen sah. Er hielt die Tür vom Einkaufstreffpunkt offen, bis sie durch war. Eigentlich musste er schnell zum Bus! Ob ihm jetzt die Zeit fehlte? Es waren nur vier Sekunden, die ihn diese Freundlichkeit kostete und ihm ein Lächeln geschenkt hat.

Mittwochmittag im Haus der Jugend in Farmsen: Nummer nn und Nummer nn der Kundenliste vom Farmsener Tisch sind fertig mit dem Einkauf. Doch bevor es nach Hause geht, drehen sie noch eine zweite Runde. Gezielt sprechen sie einige Teamer des Farmsener Tisch an: „Dankeschön, Sie haben uns sehr geholfen!“ Die Teamer unterbrechen kurz ihre Verkaufstätigkeit. Sie schauen hoch, ein Lächeln, ein Wort. Natürlich kennt man sich schon lange, aber hatten wir uns heute schon ins Gesicht gesehen?

In der Kapelle ist alles vorbereitet! Der Sarg ist ausgerichtet, die Blumen arrangiert und die Kerzen brennen! Ein letzter Blick über alles: Was steht auf den Schleifen an den Kränzen! Was gibt man mit, was möchte man sagen in diesem Augenblick, da es um das Existenzielle geht? „In Liebe und Dankbarkeit“ - vielleicht?! Man schaut zurück auf das gemeinsame Leben, erinnert sich an die Highlights und an die schweren Zeiten, an Lachen und Weinen. In den Tagen des Abschieds und der Trauer ist alles so gegenwärtig, als wäre es gerade geschehen. Manchmal so, als läge der Duft von Kartoffelpuffern in der Luft, als Mutter oder Vater sie gebraten haben! Alles andere relativiert sich. Nur dieses eine ist jetzt wichtig, noch einmal nachzuspüren in Dankbarkeit!

Drei Szenen, so erlebt oder nachempfunden, die von der Kraft der Dankbarkeit erzählen! Dankbar sein, bewusst Danke zu sagen, unterbricht den Alltag. Es bremst uns in unserer zielgerichteten Angespanntheit. Manchmal mag das nicht passen, auch wenn wir wissen, dass es gar nicht so aufwändig ist! Aber oft erleben wir, dass wir in diesem kurzen Augenblick noch einmal anders hinschauen: vielleicht ins Gesicht unserer Mitmenschen, vielleicht ein Lächeln geschenkt bekommen. Auf jeden Fall bekommen wir einen anderen Blick auf den anderen, die andere um uns herum. Und auf das, was wirklich wichtig ist im Leben, die Momente von Zuwendung und Nähe, von geschenkter Liebe! Oft sagen wir heutzutage: „Ach, das Wort Danke hört man gar nicht mehr!“ Ich muss gestehen, ich sage auch nicht gern Danke, wenn ich es nicht in mir spüre! Es darf auch keine aufgesetzte Fassade sein. Aber verschwunden ist es nicht. Vielleicht ist es nur wertvoller und kostbarer heute!

Und wofür sagen Sie Danke? Und wem sagen Sie Danke?

Am 30. September feiern wir Erntedankfest!

Seit alters her ist das Danke-Sagen in unser Kirchenjahr „eingebaut“! Das Bewusstsein, es ist nicht selbstverständlich, dass unser Tisch gedeckt ist, wird geschärft. Menschen säen, pflegen und ernten, damit wir satt werden können. Die Natur in ihrem wunderbaren Rhythmus lässt die Frucht wachsen und gedeihen! „… doch Wachstum und Gedeihen steht in des Himmels Hand.“ Was wir zum Leben brauchen, ist ein Geschenk, das uns gemacht wird: das „tägliche Brot“ und die Zuwendung, die Liebe der Menschen! Sind Sie dabei, wenn wir dieses Jahr mit kleinen und großen Leuten Danke sagen in der Friedenskirche und der Erlöserkirche?

Laudato si, o mi signore.
Sei gepriesen, denn du, Herr, schufst den Menschen!
Sei gepriesen, er ist dein Bild der Liebe!
Sei gepriesen für jedes Volk der Erde!
Sei gepriesen, denn du bist wunderbar, Herr!

Pastor Jürgen Wippermann