Rückblick Gemeindeversammlung 20. April 2023
Der Einladung zur Gemeindeversammlung am 20.4.2023 im Gemeindehaus Berne waren 41 Menschen gefolgt. Der Kirchengemeinderat legte in einer aktualisierten Präsentation – wie bereits im September 2022 – die Gründe dar, die den schmerzlichen Beschluss unausweichlich machten, sowohl das Gemeindehaus als auch die Friedenskirche voraussichtlich 2026 abzureißen. Die Gründe sind vielschichtig. Zum Zeitpunkt unserer Fusion im Jahr 2000 hatten wir rund 11.000 Gemeindeglieder, in 2023 sind es rund 6.500 und für 2035 geht die Prognose von 4.000 Gemeindegliedern aus, und daraus resultieren deutlich weniger Kirchensteuereinnahmen. 2000 hatten wir sechs Pfarrstellen, spätestens 2027 werden es nur noch zwei Pfarrstellen sein. Auf alle Finanzkrisen der letzten Jahrzehnte haben wir bei Erhalt aller Gebäude mit Strukturveränderungen und Änderungen an Personalstellen reagiert. Die Verschärfung der Krisensituation führt zu einem grundsätzlichen Wandel der Rahmenbedingungen für kirchliches Handeln und gemeindliches Leben. Unsere Kirchenkreissynode hat bereits 2016 festgehalten, dass eine Gebäudereduzierung in Hamburg um 35 % für den Fortbestand von Kirche notwendig ist. Inzwischen ist klar, dass selbst das nicht reichen wird.
Ab 2024 wird unser Haushaltsplan aufgrund steigender Kosten wie z.B. der kalkulierten Verdoppelung der Energiekosten und sinkender Kirchensteuereinnahmen defizitär sein. Für den dauerhaften Erhalt der Friedenskirche müsste folgende Finanzierung aufgebracht werden:
Rund 300.000 € für die Verselbständigung vom Gemeindehaus
Die jährlichen Betriebskosten von rund 30.000 €
Eine Rücklage für unvorhergesehene Unterhaltungskosten der Kirche, die 10.000 € überschreiten (bis 10.000 € trägt der Kirchengemeinde-verband Rahlstedt die Kosten)
Auch die Kosten für die Umsetzung der Treibhausgasneutralität für alle Gebäude im Kirchenkreis bis 2035 müssten getragen werden und sind z.Z. noch nicht klar bezifferbar.
Das Bebauungsplanverfahren für das ganze Quartier von der Kirche bis zur Schule in der Lienaustraße ist weit fortgeschritten und die Planerstellung wird von der Verwaltung in diesem Jahr zum Abschluss kommen. Auf unserem kirchlichen Gelände werden in drei Wohnhäusern rund 40 Wohnungen entstehen. Langfristig wird durch Einnahmen aus dem Wohnungsbau die kirchliche Arbeit in der Gemeinde finanziell abgesichert.
Der Kirchengemeinderat betont, dass diese Entscheidung für alle Mitglieder schockierend ist und jede und jeden von uns an die Belastungsgrenze geführt hat und führt.
Es ist klarer Wille und Wunsch, diese Krise und Trauerarbeit vertrauensvoll und gemeinsam mit der Gemeinde zu gestalten.
Auf der Gemeindeversammlung vom 20.04.2023 stellt die „Initiative zur Rettung der Friedenskirche“ Anträge und Anfragen an den Kirchengemeinderat, die schnellstmöglich am 18.06.2023 auf der nächsten Gemeindeversammlung beantwortet wurden. Den 32 anwesenden Gemeindemitgliedern wurde das 8-seitige Papier verlesen und ausgehändigt. Eine Veröffentlichung auf der Homepage erfolgte sofort. Außerdem liegt es im Gemeindebüro zum Mitnehmen aus.
Die klare Aussage, dass wir mit dem Abriss der Kirche nicht unsere bleibende gemeindliche Präsenz im Berner Gemeindeteil aufgeben, wurde durch die gute Nachricht untermauert, dass wir im Berner Schloss die Möglichkeit bekommen können, am Sonntag Gottesdienst zu feiern und auch Gruppenräume zur Mitnutzung zur Verfügung stehen.
Anke Cassens-Neumann